Dienstag, Dezember 12, 2006

Eine Bootsfahrt auf dem Bay of Bengal

Letzten Samstag luden uns Pree und Raj zu einer Bootsfahrt ein. Zunaechst hiess es, es werde eine Fahrt mit einem Katamaran sein. Hoerte sich interessant und aufregend an. Dazu fuhren wir ca. 45 km suedlich in Richtung Pondycherry (jetzt Puducherry) nach Mamallapuram. Dort kennen die Jungs ein paar Fischer, mit denen wir aufs Meer herausfahren wollten. Schnell stellte sich der angekuendigte Katamaran als normales Fischerboot heraus...!

Das ganze wurde dennoch ein Spass, obwohl die See sehr rau war. Die Wellen und die Gischt sorgten dafuer, dass alle Mitfahrer ordentlich nass wurden, bevor der Badespass ueberhaupt angefangen hat. Nachdem die Fahrt ca. 200 - 300 m entfernt vom Strand endete, fanden sich schnell drei mutige Seelen, die den Sprung ins offene Meer wagten. Allerdings gut gesichert mit einem Seil und jeweils nur einzeln. Die Stroemung war zu stark, um ungesichert zu schwimmen. Nach ca. einer halben Stunde ging es dann zurueck zum sicheren Strand.

Bezahlt wurden die Fischer mit einem Abendessen und ordentlich Kingfisher Bier.

Wir liessen den Abend dann im Dublin im Park Sheraton ausklingen...

Hier die Bilder zu unserem Abenteuer...:







Montag, Dezember 04, 2006

Die Verkaufsbuden des Burma Bazaars





George Town

Am gestrigen Sonntag haben wir einen Abstecher in den Stadtteil George Town gemacht. Hierbei handelt es sich um das alte englische Viertel oder das alte Madras. Obwohl in den ehemaligen Kolonialbauten heute noch Aemter oder auch Banken ihre Heimat gefunden haben, sind diese Gebaeude leider voellig heruntergekommen. Auf der gegenueberliegenden Seite dieser Bauten befindet sich der Burma Bazaar. Hier befinden sich hunderte von kleinen Verkaufsbuden nebeneinander, in denen man Waren aller Art zu sehr billigen Preisen kaufen kann. Zum Teil handelt es sich auch um Schmuggelware, vor allem um Kopien von Markenartikeln... Der Markt heisst Burma Bazaar, da dieses Viertel frueher von Burmesen bevoelkert war, die hier viele Essensstaende betrieben. Der Markt ist auch als Night Market bekannt, da erst gegen Abend bei Dunkelheit alle Buden geoeffnet haben. So hatten gestern Nachmittag viele Geschaefte noch geschlossen.

Hier zunaechst Photos von einigen Kolonialbauten:







State Bank of India, Chennai

Freitag, Dezember 01, 2006

Party!!

Letzten Samstag waren wir auf der East Coast Road zu einer Geburtstags-Party eingeladen. Offizielles Motto: Poolparty und Hawaii!! Badekleidung war erwuenscht, wobei am spaeteren Abend bzw. fruehe Morgenstunden es auch nicht mehr darauf ankam, ob man(n) Badeshorts oder die normalen Klamotten zum Poolvergnuegen trug. So kam es, dass die indischen Jungs komplett angezogen in den Pool sprangen... Ich bevorzugte dann doch meine Shorts und wurde dann auch prompt von Parin ins Wasser geworfen... War sehr angenehm, die Temperatur des Wassers hatte die der Luft (ca. 28 Grad), sodass man es durchaus laengere Zeit aushalten konnte. Die Maedels badeten uebrigens nicht! Das ist nicht unbedingt ueblich, da das Tragen von Bikinis oder Badeanzuegen mit sexuellen Motiven verknuepft wird...(!!!???) Daher gehen indischen Frauen, wenn sie denn baden, mit den traditionellen Saris ins Wasser. Meistens aber stehen sie nur mit den Fuessen drin...

Ein ueblicher Brauch ist, dass das Geburtstagskind Teile oder die vollstaendige Torte ins Gesicht geschmiert bekommt. Das kann man auf den folgenden Bildern auch eindrucksvoll erkennen.

Der Abend oder der Morgen endete so gegen 3 Uhr nahezu abrupt, da der Alkohol von den Gaesten akribisch leer getrunken wurde. Da wir hier in Indien sind, kann man leider nicht zur naechsten Tanke torkeln und Nachschub besorgen! War auch gut so! Ansonsten haette das ganze dann wohl doch noch ein boeses Ende gehabt... So hielt sich der Alkoholkonsum in Grenzen!







Dienstag, November 21, 2006

Im Osten nichts Neues...oder doch...?

Was sind die zur Zeit beherrschenden Themen in den indischen Medien? Gute Frage, oder?

Kuerzlich wurde der kleine Sohn vom CEO Adobe India entfuehrt. Der Kleine kam in Noida, einem Ort bei New Dehli abhanden. Das Ganze endete gottseidank gluecklich und die Eltern konnten ihren Sohn vor zwei Tagen wieder in ihre Arme schliessen. Dieser Entfuehrungsfall war letzte Woche das grosse Thema beim indischen Ableger von CNN und bei NDTV24, den beiden Nachrichtensendern. Dann gab es noch ein paar Unruhen im Norden, diverse Bauernselbstmorde, Selbstbeweihraeucherungen, wie toll und modern die indische Software-industrie doch ist und das man es seinem gigantischen Nachbarn China so richtig zeigen moechte! Ferner haben ein paar neureiche Jugendliche diverse auf dem Buergersteig schlafende Tageloehner ueber den Haufen gefahren. Die Jugendlichen wurden auf Kaution freigelassen (oder ist da gleich Schmiergeld geflossen...?). Zu einem Gerichtsverfahren wird es wohl nicht kommen - es lebe die Korruption!!!

Seit Sonntag befindet sich denn auch Hu Jintao zu Gespraechen in Indien auf. Hauptthemen sind die Wirtschaftsbeziehungen, sowie Grenzstreitigkeiten an der Grenze zu Tibet. Diese sind - welch Wunder - letzte Woche neu aufgeflammt. Indien beansprucht das Gebiet fuer sich und China behauptet denn auch gleich, dass dieses ohnehin zu China gehoert...! Das kennen wir doch irgendwo her... Tibet, Taiwan...was China nicht so alles als sein Territorium beansprucht...tsts!
Vielleicht schliessen die beiden Laender noch ein Korruptionsabkommen ab, hier treffen sich naemlich die Staaten mit den wohl groessten Korruptionsproblemen ueberhaupt.

Soll uns aber nicht weiter kuemmern. Positiv hervorzuheben ist, dass Indien und China tatsaechlich bemueht sind ihre Beziehungen deutlich zu verbessern. Immerhin stellen diese beiden Staaten ca. 40% der Weltbevoelkerung und sind dummerweise im Besitz von Atomwaffen.

Thema Sport. Cricket. Das langweiligste Spiel der Welt! Aber die Inder lieben es! Die Spieler werden wie Popstars verehrt. Ein Besuch des wohl beliebtesten Spielers (Namen kenne ich nicht!) beim Friseur wurde vom Fernsehen uebertragen. Eine johlende Menschenmenge (damit meine ich Tausende) hatte sich versammelt, um einen Blick auf diesen Typen zu werfen. Das kann man mit Europa ueberhaupt nicht vergleichen. Die Menschen bekommen hier hysterische Anfaelle, wenn Cricketspieler in der Oeffentlichkeit auftreten. Mir geht das Spiel langsam auf die Nerven. Im Moment werden auf allen Sportkanaelen die Spiele live uebertragen. Zur Zeit findet ein Turnier in Suedafrika statt, und die Nachrichtensender berichten ueber jede Kleinigkeit... Die Erwartungshaltung ist gross, nachdem Indien bei der ICC Championstrophy im eigenen Land im Halbfinale an den West Indies gescheitert ist. Die haben uebrigens die Trophy gewonnen, oder warens die Australier? Keine Ahnung. Interessiert aber auch nicht wirklich!

Aber was koennen die Inder sportlich schon? Nicht viel! Cricket, Hockey...mehr faellt mir nicht ein. Fussballerisch ist Indien ein praehistorisches Fossil. Eine Liga existiert nicht, nur in Nordindien, in der Gegend um Kalkutta wird Fussball gespielt. Manchmal werden diese Spiele auf einem Spartenkanal uebertragen. Das Niveau liegt vermutlich irgendwo zwischen Kreisliga A und B, allenfalls Verbandsliga...

Da Inder keinen direkten Koerperkontakt im Sport moegen, haben Sportarten wie Fussball keine Durchsetzungskraft. Daher die Vorliebe fuer Cricket (obwohl von Englaendern importiert) und Feldhockey.

Innenansichten

5-Sterne Hotel 'The Park' - Die Empfangshalle




Das Waschbecken im 'The Park'. Eine leicht geneigte Glasplatte, das Wasser laeuft in ein Auffangbecken und dann schliesslich ab.


5-Sterne Deluxe Hotel 'Taj Connemara' - Empfangshalle

Mittwoch, November 15, 2006

Zeit...

Meine Zeit neigt sich hier langsam dem Ende. Es sind jetzt noch genau 4 Wochen, dann habe ich es geschafft. An dieser Stelle moechte ich allerdings noch kein endgueltiges Fazit ziehen, dafuer ist es noch ein wenig zu frueh. Im Grossen und Ganzen bin ich aber froh, wenn das Abenteuer vorbei ist.

In den letzten zwei Wochen habe ich wieder nette Leute aus unterschiedlichen Nationen kennengelernt. Besonders hervorheben moechte ich eine Party, auf der Amerikaner, Englaender und Deutsche nett miteinander gefeiert haben. Endlich traf ich auch mal Leidensgenossen, die nicht staendig die rosarote Kulturbrille auf der Nase tragen. Will damit sagen, dass nicht jede indische Unzulaenglichkeit gleich mit kulturhistorischen Hintergruenden verbraemt wurde. Die "Ich-finde-alles-toll-hier" - Mentalitaet vieler, vor allem Deutscher, halte ich mittlerweile sowieso nicht mehr fuer glaubwuerdig! Mir kann keiner vormachen, dass einem der Dreck, der Muell und sonstige Verschmutzungen nicht auffallen. Mit Kultur hat das absolut nichts zu tun...! Aber das Thema hatten wir ja schon!

Jetzt werden einige Leser denken, der schimpft ja schon wieder ueber die armen Inder...!!

Ich gebe zu, es haette mich auch schlimmer treffen koennen! In Afrika oder in anderen Landstrichen dieser Erde sieht es bestimmt noch furchtbarer aus und die Lebensumstaende koennten unangenehmer sein. In einigen Laendern Afrikas ist man als Expatriate sicherlich wesentlich haerteren Bedingungen ausgesetzt. Ja, das stimmt sicherlich! Aber diese Laender haben zur Zeit noch nicht den Anspruch in den naechsten Jahren zu China oder zu den westlichen Industrienationen aufzuschliessen! Die Inder haben diesen Anspruch entwickelt und dieser wird in den zahlreichen Medien auch tagtaeglich propagiert. Aber dieser Weg ist noch lang und steinig, die indische Gesellschaft muss sich ebenfalls grundlegend aendern. Ich denke da zum Beispiel an das Kastensystem, das zwar offiziell abgeschafft, aber noch immer in den Koepfen verankert ist und die gesellschaftliche bzw. wirtschaftliche Entwicklung unglaublich bremst.

Stichwort: Englaender! Endlich habe ich Englaender kennengelernt, mit denen man sich wirklich nett unterhalten kann und die auch eine gesunde Einstellung zur deutschen Vergangenheit haben. Kommt nicht oft vor, behaupte ich mal...!! Es kam zu dieser Thematik schon zu einer witzigen Verwechslung. Nachdem ich einen vermeintlichen Englaender fragte, warum die Englaender die Deutschen nicht leiden koennen, erhielt ich folgende Antwort, ich zitiere:

"I don't know, I'm Australian! We don't have problems with the Germans...!!"

Danach wurde herzhaft gelacht!

Hier hat sich im Laufe der Zeit eine kleine Gemeinschaft entwickelt. Ist eigentlich kein Wunder, da das Bike & Barrel ein beliebter Anlaufpunkt fuer Expatriates ist. Man trifft immer die ueblichen Verdaechtigen und so kommt man zwangslaeufig ins Gespraech. Das ist sicherlich ein Erlebnis, dass mir in Deutschland fehlen wird. Hier geht man ungezwungen aufeinander ein, unterhaelt sich und verbringt einen schoenen Abend. Die Ferne zur Heimat schweisst dann doch irgendwie zusammen. Besonders interessant ist, dass auch Inder gerne die Naehe zu uns suchen, um mit uns ins Gespraech zu kommen. Auch hier haben sich schon nette Bekanntschaften ergeben.

Freitag, November 03, 2006

Bayern meets India

Gestern hat sich eine bayrische Wirtschaftsdelegation unter der Fuehrung des bayrischen Wirtschaftsministers Erwin Huber (CSU) in Chennai vorgestellt. Initiiert wurde diese Veranstaltung ebenfalls von der Deutsch-Indischen Handelskammer zu Chennai. Das Seminar, so wurde es offiziell bezeichnet, fand im Taj Coromandel statt. Ich durfte auf Einladung des Leiters der Kammer, Herrn Gopalan, daran teilnehmen.

Praesentiert wurde zunaechst Bayern, als starker Wirtschaftsstandort Deutschlands. Fuer die deutschen Teilnehmer in der Tat nichts Neues. Danach stellte sich Herr Huber vor. Erwartet hatte ich, dass dieser englisch-radebrechend vom Manuskript abliest. Falsch gedacht! Tatsaechlich sprach er frei und ohne Manuskript. Witzig war nur sein bayrisches Englisch. Er ist besonders stolz auf die drei grossen 'Bs' Bayerns:

Bayern Muenchen (mit Beckenbauer) (...wie schlecht...!!)
BMW
Bierfest (Oktoberfest)

In dieser Reihenfolge hat er's gesagt!

Nach seiner kurzen Rede entschwand er denn sogleich zu den naechsten Terminen mit dem Premierminister von Tamil Nadu und Wirtschaftsleuten.

Als letzter hat ein Vertreter Muenchens (ich glaube der stellvertretende Buergermeister) seine Stadt vorgestellt (10 gute Gruende fuer Muenchen). Auch hier eigentlich nichts Neues.

Dennoch ist Hamburg die schoenste Stadt Deutschlands! Schade auch Muenchen! Euch macht nur das Erholungsgebiet um die Seen (Ammersee, Starnberger See und Chiemsee) sowie die Naehe zu den Alpen interessant...

Danach kam dann der angenehmere Teil. Lunch vom Buffet. Hervorragend!

Es folgten Gespraeche mit deutschen Geschaeftsleuten, wobei ich da weniger mitreden konnte. Aber ich war stiller Beobachter. Hat Spass gemacht. So ging der Donnerstag-Vormittag schnell vorbei.

Adolf Hitler und die Inder...

Der geneigte Leser wird sich natuerlich jetzt zu Recht fragen, was diese provokante Ueberschrift zu bedeuten hat! Leider sehr viel! Ich habe bereits mit Entsetzen festgestellt, dass Hitler in Indien grosses Ansehen geniesst und einiger Beliebtheit erfreut. Bereits im Jahre 1998 wurde mein Vater von einem Inder im Tempel von Mylapore mit den Worten "Heil Hitler" begruesst. Vorangegangen war die Frage, woher man denn kaeme. Auf die Antwort 'Deutschland' folgte eben dieser Satz. Ich hielt das damals fuer einen schlechten Scherz oder Aussage eines ungebildeten Inders...!

Nun sind wir ein paar Jahre weiter und ich habe feststellen muessen, dass dieser Verbrecher noch immer grosses Ansehen besitzt und das auch noch bei gebildeten Menschen. Das ueberrascht mich in sofern, als dass Inder als friedliebende Menschen gepriesen werden (was sie aber keinesfalls sind) und sehr stolz auf ihre Unabhaengigkeit sowie groessten 'Demokratie der Welt' sind. Ferner haben indische Soldaten auf den Schlachtfeldern Europas und Nordafrikas im Kampf gegen die Deutschen ihr Leben verloren. Um so unverstaendlicher ist mir das positive gequatsche ueber das "Dritte Reich". Wenn man mit Indern nun ueber diese Thematik diskutiert kommt Erstaunliches zu Tage. Man ist begeistert vom Strassennetz, von der damaligen Sicherheit der Buerger auf deutschen Strassen und man ist fasziniert davon, dass ein so kleines Land wie Deutschland die Weltherrschaft angestrebt hat...!!! Das dafuer ein menschenverachtender und brutaler Krieg vom Zaun gebrochen, insgesamt 55 Millionen Menschen starben und Millionen von Juden und Andersdenkender ermordet wurden, wird natuerlich nicht erwaehnt, geschweige denn bedauert...!!! Ich reagiere dann stets extrem allergisch, denn ich lehne jede auch nur kleinste positive Aeusserung ueber diese dunkle Periode Deutschlands kategorisch ab. Ueber diese Zeit gibt es absolut nichts positives zu berichten! Man sollte alle deutschen Rechtsradikalen und geistigen Brandstifter nach Indien verfrachten. Waere eine schoene Arbeitsbeschaffungsmassnahme fuer unsere Rechten in den sogenannten 'No-Go-Areas'. Die koennten in den Grossstaedten Indiens als Strassenreiniger arbeiten. Es gibt genug zu tun! Gleichgesinnte finden die hier an jeder Strassenecke...

Inder wuerden einen Diktator dieses Kalibers niemals im eigenen Land akzeptieren! Was fuer ein Widerspruch! Inder gehen gar nicht!!!

Es gibt uebrigens noch eine Gruppe, die hier mal vorbeischauen sollte. Das sind unsere Hartz IV Empfaenger und sonstigen Arbeitslosen, die staendig ueber den Sozialstaat meckern. Diese Idioten sollten sich anschauen, wie die meisten Menschen hier leben. Ein Grossteil lebt von der Hand in den Mund. Diese Menschen haben alle Familie, die sie ernaehren muessen. Aber gemeckert wird nicht. Jeder geht irgendeiner Beschaeftigung nach. Sei es das Buegeln von Hemden, der Verkauf von Blumenketten, die Reparatur von Schuhen...all das geschieht am Strassenrand. Andere sammeln Muell, Dosen, Plastik, Glasflaschen, einige wenige betteln. Aber das haelt sich in Grenzen, ist nicht so schlimm, wie in Mumbai oder Kolkata (Bombay und Kalkutta). In Chennai kann man sich als Westler eigentlich ungehindert bewegen. Abgesehen davon, ist das Betteln organisiert! Ja, kaum zu glauben! Ist ja wie bei uns! Genau! Kleine Kinder werden von ihren Eltern und Zuhaeltern losgeschickt. Manchmal leihen sich junge Frauen auch Kleinkinder aus und halten diese auf dem Arm. Auffaellig ist nur, dass diese Kinder alle gut genaehrt und nicht verfilzt sind und auch sonst keine kaputte oder dreckige Kleidung tragen... Einige Deutsche haben das aber immer noch nicht verstanden oder wollen den Sachverhalt der organisierten Bettelei nicht wahrhaben....!! Ich selber gebe nur dann Geld, wenn es sich wohlweislich um sehr arme Menschen handelt, die ihr Hab und Gut bei sich tragen und nahezu in Lumpen gekleidet sind. Einer hat es sich aber neulich bei mir verscherzt. Der vor dem 'Amma Naana' stehende Bettler hat mich derartig aggressiv attackiert, dass er sich um eine Geldquelle gebracht hat. Dabei habe ich ihn beim vorbeigehen nicht gesehen. Er kam mir hinterher gelaufen, hat mich von hinten angestossen und laut lamentiert. Das kann ich ueberhaupt nicht haben!!

Als kleine Orientierung, was denn ein indischer Arbeitnehmer so verdient: das Gehalt eines Ingenieurs liegt zwischen 45.000 und 60.000 Rupess im Monat. Das sind zwischen 750 und 1.000 Euro monatlich. Mein Fahrer bekommt 4.900 Rupees monatlich, das entspricht ca. 80 Euro...!! Da er viel Ueberstunden macht, kommt er vermutlich auf 90 - 100 Euro im Monat. Fuer jede Ueberstuende erhaelt er 10 Rupees = 0.17 Euro! Der Mann hat eine Frau und zwei Kinder. Der Sohn arbeitet mit und erhaelt 8.000 Rupees im Monat. Ich gehe davon aus, dass auch die Frau arbeitet, wahrscheinlich sogar die Tochter. Er sagte mir, dass seine Familie monatlich 15.000 Rupees = 250 Euro braucht, um ueber die Runden zu kommen...!
Unser indischer Freund Parin, der als Softwareentwickler oder Programmierer einen Supervisor-Job macht, verdient monatlich um die 40.000 Rupees = 667 Euro.

Jeder der ueber den deutschen Sozialstaat in irgendeiner Form meckert sollte jetzt tief in sich gehen und nachdenken....Und zwar darueber, wie gut es uns trotz einiger Probleme geht. Die Menschen hier haben ganz andere, naemlich zu ueberleben!!!

Die aktuelle Erhebung, dass 51% der Deutschen die Demokratie ablehnen bzw. unzufrieden sind halte ich fuer erschreckend und alarmierend! Auch das Ungerechtigkeitsempfinden hat stark zugenommen (66%). Wieso eigentlich? Hat das Sozialamt mal wieder nicht den neuesten Flachbildfernseher gesponsert oder die neueste Waschmaschine genehmigt? Ich kann das nicht begreifen! Das ist Wehklagerei auf allerhoechstem Niveau! Wo sind wir eigentlich hingekommen? Ohne Worte...

Lebensqualitaet

Um es mal auf den Punkt zu bringen. In Indien ist die Lebensqualitaet fuer Einwohner westlicher Industriestaaten minimal. Zugegeben, als Expatriate mit einem westlichen Gehalt kann man hier sehr gut Leben. Damit meine ich allerdings lediglich die Thematik der preiswerten Lebenshaltungskosten. Selbst Markenware (Orginalware, kein Fake) kostet nur ein Bruchteil von dem, was wir im Westen dafuer ausgeben muessten. Auch Schmuck, Stoffe, Seide und aufwendige Handicraft-Artikel sind im Vergleich sehr billig. Als Expatriate kann man es in Indien finanziell absolut krachen lassen und auf dicke Hose machen... Man sollte diesen Vorteil allerdings mit Vorsicht betrachten. Es ist zwar sehr schoen und befriedigend in Markengeschaeften einzukaufen, ohne auf den Preis achten zu muessen, ich halte dieses aber auch fuer eine Art angemessener Aufwandsentschaedigung bzw. Gefahrenzulage. Aufgrund der Umweltbedingungen und der groesstenteils mangelnden Hygiene ist der Aufenthalt nicht ganz ungefaehrlich. Das faengt bei der Wahl des Essens an und hoert bei den menschlichen Grundbeduerfnissen auf. An jeder Ecke kann man sich hier alle Krankheiten dieser Erde einkassieren. Das ist vermutlich auch ein Grund dafuer, dass Inder schnell krank werden und frueher das zeitliche segnen. Besonders gefaehrlich sind die ueberfluteten Strassen nach einem heftigen Monsunregen. In diesem Wasser tummeln sich alle Arten von Insekten und sonstigen Tierchen, u.a. auch Wuermer, die sich durch die Haut in den menschlichen Koerper fressen und dort Unheil anrichten. Das scheint die Bewohner aber nicht zu stoeren. Ich sehe immer wieder Leute, die mit Gummisandalen oder Barfuss durch diese Pfuetzen laufen.

Was das Essen betrifft, sollte man sich von Milchprodukten und Wasser aus dem Hahn unbedingt fernhalten. Auch Fisch halte ich fuer problematisch. Das gilt nicht fuer Huhn, da es lebend verkauft oder kurz vorm Verkauf einen Kopf kuerzer gemacht wird. Ansonsten weiss man nicht, wie lange Lebensmittel in der Sonne bzw. Waerme gelegen haben oder die Kuehlkette ggf. mehrfach unterbrochen wurde.
Fuer Menschen mit einem empfindlichen Magen sind die scharf gewuerzten Gerichte ohnehin ein Problem. Da haben die Inder eine echte Macke entwickelt. Waehrend wir Bleichgesichter Gewuerze dazu verwenden, unsere Speisen zu verfeinern, benutzen Inder ihre Speisen, um die Gewuerze zu verfeinern...!!?? Daher werden die Speisen so scharf gewuerzt, wie es nur geht. Die erste Magenverstimmung laesst in der Regel nicht lange auf sich warten.

Das Essen in den 5-Sterne Hotels ist uebrigens kein Problem. Dort kann man eigentlich alles zu sich nehmen.

Stichwort: aerztliche Versorgung. Man soll es kaum glauben, aber es gibt tatsaechlich gute allgemeinmedizinische und zahnaerztliche Kliniken, die sich im Vergleich zu den westlichen Standards nicht zu verstecken brauchen. Ich befinde mich zur Zeit selber in zahnaerztlicher Behandlung und muss sagen, dass diese Klinik wirklich sehr gut ist. Dieser Zahnarzt arbeitet viel fuer die hiesigen Konsulate, das schafft natuerlich Vertrauen. Bislang bin ich auch nicht enttaeuscht worden. Alles ist sehr sauber, die Geraetschaften sind modern und die Aerzte sehr kompetent. Eine Behandlung kostet aber dennoch ca. nur 1/10 von dem, was in Deutschland gefordert wird. Nur um mal eine Zahl zu nennen: der Einbau einer Bruecke kostet zwischen 6.000 und 9.000 Rupees, das entspricht einem Wert von 100 bis 150 Euro...!! Ein deutscher Zahnarzt sagt fuer diesen Betrag noch nicht einmal 'hallo' oder bittet uns, auf dem Zahnarztstuhl Platz zu nehmen! Ich kann mich dunkel erinnern, dass ein deutscher Zahnarzt fuer eine Bruecke (kein Gold) um die 1.900 Euro berechnen wollte...!!!
Die Begruendung liegt auf der Hand: die Personalkosten und auch die Beschaffungskosten der Materialien sind um ein viefaches geringer. Die Qualitaet der Arbeit ist allerdings mit Sicherheit nahezu gleich. Davon bin ich ueberzeugt...!

Jetzt wird der Stammleser bestimmt meinen, der kann ja auch mal etwas positives berichten! Ja, tatsaechlich! Stimmt! Das einzig positive fuer mich ist, dass ich bald nach Hause darf...!!!

Dienstag, Oktober 31, 2006

Unsere Shopping Mall in Chennai